PARKOUR - VON DEN ANFÄNGEN BIS HEUTE

Um mit den Worten von Sébastien Foucan zu sprechen: Parkour wurde von niemandem erfunden, es war immer schon da.

 

Dennoch gibt es die Geschichte einer Bewegung zu erzählen, die von Frankreich ausging, dann über Europa, Amerika und die später die ganze Welt wanderte.

 

Es nahm seinen Anfang in den Wäldern Nordfrankreichs,

wo David Belle schon früh von seinem Vater nach der natürlichen Methode (Méthode Naturelle von Georges Hébert) unterrichtet wurde. Davids Vater, Raymond Belle, hatte als Kindersoldat in Vietnam gekämpft und sich dort bereits mit effizienten Fluchtmethoden auseinandergesetzt. Später nutzte er seine Fähigkeiten als Feuerwehrmann, um Leben zu retten. Er hatte schon von klein auf trainiert, stark und leistungsfähig zu werden - um diese Fähigkeiten nutzbringend anwenden zu können.

 

Als die Familie Belle schließlich in den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts nach Lisses (ein kleiner Vorort von Paris in Frankreich) zieht, passt David das Gelernte an die Stadt an und eine Gruppe von Kindern entdeckt Parkour für sich. Lisses lag zwischen urbaner Umgebung und der Natur und es gab dort nicht viel zu tun für die Kinder. Sie spielten Ninja auf dem Schulhof und verfolgten einander über die vorhandenen kleinen Hindernisse wie unzählige andere Kinder auch. Nur etwas war anders, denn mit der Zeit entwickelte sich, unter Einfluss von David Belle, mehr aus dem Spiel.

 

Yann und Frederic Hnautra, David Malgogne, Kazuma und Sébastien Foucan waren einige der Kinder und entdeckten langsam das Potential ihrer Freizeitbeschäftigung. Spiel wurde zu Sport, die Kunst gewann durch sie an Form und wurde in Worte und Bewegungen gefasst. Spezielle Techniken wurden nicht gesucht, denn sie entstanden direkt bei der Interaktion mit dem Hindernis. Auf diese Weise hatte jeder die Chance, seine Ideen in die Gruppe zu tragen und die Bewegungen wie ein Puzzle zu vervollständigen. Der Präzisionssprung zum Beispiel verlieh auch dem einfachen Sprung ein erhöhtes Schwierigkeitslevel und eine gezielte Eleganz. So hatte jede neue Entdeckung einen vervollständigenden Effekt.

 

Die Hindernisse wurden größer und nachdem das Schuldach erobert war, trainierte die Gruppe schon früh an dem berühmten zwanzig Meter hohen Kunstobjekt "Dame du Lac".

Die "Méthode Naturelle" von Georges Hébert beschrieb bereits Ende des neunzehnten Jahrhunderts Elemente des Parkour und hatte mit Raymond Belle großen Einfluss auf David und seine Freunde. Davids Vater war ein guter Athlet und trainierte bereits beim Militär nach der Methode Héberts.

Für David (Le grand père) und Sébastien (Le grand frère) war er eine Art Mentor und gab ihnen, neben den Grundzügen von Parkour, auch mit auf den Weg, dass sie alles tun konnten, was sie nur wollten, wenn sie ernsthaft trainierten.

 

Es verging einige Zeit des Trainings. Die Gruppe wurde größer und es wurde über Parkour als Disziplin gesprochen. Nach den "Maestras"formierten sich die "Yamakasi" und spielten zu siebt ein Musical in "Notre Dame du Paris".

Im Anschluss daran trennten sich Foucan und Belle von den Yamakasi (Chau Belle, William Belle, Malik Diouf, Yann Hnautra, Guylain Guba-Boyeke, Charles Perrière, Laurent Piermontesi, Maher Kamoun, Bruno Flender) die dann den Kinofilm"Yamakasi - Die Samurai der Moderne" (Originaltitel: "Yamakasi - Les samouraïs des Temps Modernes") mit Luc Besson drehten.

 

David Belle, Sébastien Foucan, Stéphane und Yoann Vigroux, Jérome Ben Aoues, Rudy Duong, Kazuma und Michael Ramdami nannten sich fortan die"Traceurs".

 

Das Interesse der Medien war enorm, doch die Ziele der Traceurs der ersten Stunde gingen auseinander. Foucan wollte Parkour weiterentwickeln und als ernsthafte, organisierte Disziplin nach vorne bringen und zugänglich machen. Unter dem Begriff "Freerunning" entwickelte er einen Weg, der mehr von persönlichem Ausdruck und Weiterentwicklung geprägt ist.

Belle sah seine Zukunft in der Filmbranche. Aber noch etwas geschah: Mehr und mehr Leute - vor allem Jungendliche und Kinder - interessierten sich für Parkour und wollten den Yamakasi nacheifern. Der Film gab aber leider nicht das wieder, was Parkour wirklich ausmacht.

 

Nach dem Erfolg des Kinofilms spielte Geld eine große Rolle und die Wege trennten sich. Es wurden unter anderem TV-Spots für Nike gedreht und die multimediale Präsenz der Disziplin nahm stark zu. Belle drehte für BBC den Clip "Rush Hour". Le Parkour wurde nach Amerika getragen.

Quelle: www.youtube.com/user/michellehsien

In England gründete sich im Februar 2003 "Urbanfreeflow" und stellte eine Website mit Messageboard ins Netz. Die Userzahlen stiegen schnell an und UF wurde Englands erste Freerunning Community. Seither steigt vor allem das Interesse der Medien an Parkour.

 

2004 erschien die Dokumentation "Jump London" für ein breites Publikum auf DVD und gab den Anstoß für eine weite öffentliche Verbreitung der Disziplin. Ungefähr zu dieser Zeit begann auch die erste Verbreitung von Parkour im deutschsprachigen Raum, die seither stetig ansteigt.

 

Seit 2006 ist auch hier das Medieninteresse enorm, im Internet kursieren zunehmend Videos, Popstars wie Madonna und große Filmproduktionen ("Banlieue 13" mit David Belle oder der neue "James Bond - Casino Royale" mit Sébastien Foucan) zeigen Parkourszenen, verschiedene Werbespots bedienen sich der physischen Künste der Traceure, und inzwischen haben viele große Sender Parkourdokumentationen ausgestrahlt.

Dadurch ist inzwischen die Gemeinschaft der Parkourtrainierenden gerade in den letzten Jahren bundesweit wie international erheblich gewachsen.

 

Urheberrecht liegt bei Parkour ONE